Instrumente

Blockwerkorgel

 Auch wenn die Orgel ihre Wurzeln in der weltlichen Musik hat, ist sie bereits seit dem 9. Jahrhundert in Kirchen zu finden. Ständig in Entwicklung, erhält die Orgel ab dem 13. Jahrhundert eine Manualtraktur und wird ab diesem Zeitpunkt zunehmend für die Begleitung der Liturgie verwendet.

 In dieser Zeit ist das Pfeifenwerk als reines Blockwerk ausgeführt. Als Blockwerk wird, das nicht in Register unterteilte Pfeifenwerk einer mittelalterlichen Orgel bezeichnet. Ein Blockwerk besteht ausschließlich aus Labialpfeifen. Die höheren Fußlagen sind mehrfach besetzt. 

 Da ich mich sehr für die Musik der Ars Nova interessiere, reifte die Idee, eine Blockwerkorgel im Stil des 14. Jahrhunderts bauen zu lassen. Um einen vergessenen Klang wiederzubeleben und einen neuen zu schaffen.

 Die Orgelbauerin Ricarda Müller hat sich dieses Wagnisses angenommen. Von den ersten Sitzungen im Jahr 2020 bis zur Einweihung des fertigen Instruments im Januar 2026 war es eine fünf Jahre dauernde intensive Planungs-, Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Team mit dem Möbelbauer Serge Borgmann und dem Orgelpfeifenbauer Marco Venegoni.

 Die musikalische Konzeption des Blockwerks basiert auf der Beschreibung eines wohlklingenden Positivs aus dem Traktat Arnauld de Zwolles von 1440, die Stimmung ist pythagoräisch und der Tonumfang folgt dem Tonsystem der Zeit (F bis f”). Zudem erhält die Orgel zwei mehrfaltige Keilbälge, die sich mit den Füßen bedienen lassen. Besonders ist ein drittes Trethebel, mit dem der Organist den Winddruck ändern kann.

 Das Blockwerkorgel wurde im Musikhaus in Adliswil am 24. Januar 2026 eingeweiht.

Fotos Ayla Feridun-Dziedzic

Fotos Ayla Feridun-Dziedzic

Clavicymbalum

Als Vorfahre des Cembalos, sind die ersten Pläne des Clavicymbalum im Traktat von Arnault von Zwolle (1440) zu finden. Erste Skizzen finden sich in Theorie-Traktaten des vierzehnten Jahrhunderts. Konkrete Darstellungen sind ab 1425 nachweisbar (Musiker-Engel, Skulpturensammlung Staatliche Museen Berlin). Die Tonerzeugung kann sowohl perkussiv (Hämmerchen), als auch gezupft (Federkiele) erfolgen.

Mein Instrument, entwickelt von Gregor Bergmann, enthält die Masse des Clavicytheriums der Royal College of Music Museum of Instruments (ca. 1480) und stellt eine Rekonstruktion eines späteren Clavicymbalums dar. Das Instrument lässt sich pythagoreisch stimmen.

Orgel-Portativ

Das Orgel-Portativ hat seine Wurzeln in der weltlichen Musik und ist dort zwischen dem zwölften und sechzehnten Jahrhundert in Gebrauch. Den Balg des Instrumentes bediene ich mit der linken Hand und mit der rechten Hand bespiele ich die Klaviatur. Damit habe ich die volle Freiheit und Kontrolle über die Intonation und die Dynamik.

Meine zwei Instrumente wurden von Stefan und Annette Keppler entwickelt und gebaut. Das erste, mit einem Tonumfang von f bis c’’’, umfasst fast das ganze mittelalterliche Tonsystem und bietet zahlreiche Möglichkeiten. Das kleine Instrument, Tonumfang f’ bis e’’’, ist ein fantastischer Reise-Partner und eignet sich sehr gut für das Ensemblespiel. Ein drittes Instrument von Orgelbau Rohlf, restauriert von der Orgelbauerin Ricarda Müller, ergänzt meine Sammlung.

Fotos Ayla Feridun-Dziedzic und Keri Jolley

Fotos Ayla Feridun-Dziedzic und Keri Jolley

Clavichord

Aus dem Monochord entwickelt, gehört das Clavichord zu den ältesten Saiten-Tasteninstrumenten der Musikgeschichte. Frühe Formen dieses Instrumentes sind ab dem zwölften Jahrhundert zu finden und eine der ersten Darstellungen ist 1416 in “la chapelle basse de St-Bonnet-le-chateau (F)” zu sehen. Die Mechanik ist einfach. Beim Druck auf die Taste werden die Saiten mit Tangenten zusammengeführt. Ich stehe so lange mit der klingenden Saite in Verbindung, wie ich Druck auf die Taste ausübe.

Meine zwei Clavichorde sind von Stéphane Treilhou gezeichnet und inspiriert von den Traktaten des Arnaud von Zwolle, 1440 datiert. Das kleine Instrument, ideal für die Musik vor 1400, spiele ich aufwärts, wie es auf der Skulptur von Martin Radeleff in der Kirche Sorunda/Södermanland in Schweden zu sehen ist. Mein Grosses, mit einem Tonumfang von f bis a’’, lässt sich auf einen Tisch legen und deckt das ganze Repertoire für Tasteninstrumente bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts ab. Beide Instrumente sind pythagoreisch gestimmt.

Einzelton-Akkordeon:

Das Akkordeon ist ein junges Instrument, patentiert vom Österreicher Cyrill Demian im Jahr 1829. Das Instrument hat sich im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt und hat - je nach Region - unterschiedliche Systeme, Formen und Klangfarben erhalten. Die ersten Versuche, ein Einzelton-Akkordeon zu bauen, sind schon Anfang 20. Jh zu sehen. Aber erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts begann das Einzelton-Akkordeon, sich verbreiten und in den 80er Jahren erhielt es einen Platz an der Hochschule in der grossen Familie der Tasteninstrumente. Dieses System ermöglicht es, Polyphonie zu spielen oder eine eigenständige Begleitung zu gestalten, wie es beispielsweise auch auf dem Cembalo oder der Orgel möglich ist.

Mein Akkordeon, gebaut von Marco und Daniel Untersee in Rorschach 2016 ist ein schlichtes Holzinstrument. Es zeichnet sich durch die Verwendung dünner Holzplatten aus, was einerseits das Gewicht reduziert und andererseits seinem Klang eine einzigartige Filigranität verleiht. Beim Musizieren entfaltet sich der Klang durch den leichtgängigen Balg, manchmal ergänzt durch die Zuschaltung einer obertonreichen, würzenden Zusatzstimme. Mein Instrument, gebaut mit 64 Tonstufen links und rechts, verfügt über einen Barock-Kammerton (415hz), damit die Zusammenarbeit mit historischen Instrumenten möglich ist. Es lässt sich auch sehr gut einen Halbton höher spielen (440hz) und ermöglicht damit das Spiel von traditioneller und Neuer Musik. Es ist gleichstufig gestimmt.

Fotos Keri Jolley